Landwirtschaft in Dinkelscherben, Erzeuger und Verbraucher im Gespräch

Veröffentlicht am 17.04.2011 in Veranstaltungen

Annette Luckner, Maria Noichl, Franz und Wally Meitinger (von links)

Pachtpreise, Gentechnik, EU-Förderung - das Leben in der Landwirtschaft ist heute nicht mehr nur geprägt von der Arbeit im Stall und auf dem Feld, es gehört heute viel mehr dazu, eine Landwirtschaft zu betreiben als nur möglichst viel anzubauen oder möglichst viel Milch zu erzeugen.

Wer sich den Stundenplan einer Landwirtschaftsschule anschaut, stellt fest, dass Rechtslehre, Tiergesundheit oder Rhetorik genauso wichtig sind wie Rechnungswesen, Einkommensalternativen oder Waldwirtschaft. Der moderne Landwirt braucht umfangreiches Wissen, sonst kann er auf Dauer nicht bestehen. Dinkelscherben ist ein ländlich geprägter Raum, in dem Erzeuger und Verbraucher sich noch kennen, man lebt miteinander und braucht Verständnis füreinander. Der SPD-Ortsverein Dinkelscherben will hier ansetzen und das Verhältnis zwischen Erzeuger und Verbraucher in Dinkelscherben in einer Podiumsdiskussion am 20. Juli thematisieren. Einer der Referenten des Abends wird die Agrar- und Forstexpertin der SPD-Landtagsfraktion, Maria Noichl, aus Rosenheim sein. Sie besuchte schon im vergangenen Jahr den Hof von Walburga Meitinger in Ried und Noichls Engagement und Fachwissen gefielen dem Ortsverein so gut, dass man sie unbedingt für die Diskussion gewinnen wollte.

Um sich in das Thema einzuarbeiten, haben die Genossen einige Betriebe in Dinkelscherben und einem Nachbarort besucht und wollen dies im Mai fortsetzen. Die Landwirte zeigten sich sehr aufgeschlossen und man spürte, mit welcher Leidenschaft sie ihren Beruf ausüben. Bisher besucht wurden Biolandwirt Johann Ellenrieder in Ustersbach sowie Alois Fichtel in Häder und Walburga Meitinger in Ried, beide Milchviehbetriebe.

Was bei den Gesprächen immer wieder anklang, auch wenn es nicht jeden Betrieb gleich stark betrifft, ist der „Kampf um die Flächen“, den die Landwirte auch selbst mit drastischen Worten beschreiben. Zu wenig Flächen für Nahrungsmittel, weil zu viele Flächen für die Energieerzeugung benötigt werden - dieses Szenario sehen die Betroffenen durchaus heraufziehen.

Die Entscheidung, keinen Mais für Biogasanlagen anzubauen, wird nicht gerade dadurch erleichtert, dass die Schwankungen der Weltmarktpreise für Agrarerzeugnisse direkt und ohne Zeitverzögerung auf die Region durchschlagen. Lange bediente Märkte können in kurzer Zeit wegbrechen. Die Betriebe sind dem ausgeliefert und können nur versuchen, individuell zu reagieren. Verlässliche Beziehungen zwischen Erzeuger und Abnehmer gibt es nicht mehr. Die natürlichen Marktschwankungen werden durch die Warenspekulation an den Agrarbörsen verstärkt: aus dem Warenmarkt ist ein Geldmarkt geworden. So wird zum Beispiel jährlich zweimal so viel Weizen gehandelt, wie erzeugt wird. Der Markt wird manipuliert, ohne Bezug zum Erzeuger und zum Verbraucher, sondern zum Schaden von beiden. Ein Weg zur Abkoppelung vom internationalen Agrarbusiness kann die regionale Vermarktung sein, die gerade im Biobereich gut läuft. Sie hat aber nur dann Erfolg, wenn damit bestimmte Qualitätsmerkmale verbunden sind: Qualität der Ware und Qualität der Erzeugung (umweltgerecht, tiergerecht, menschengerecht) – das Etikett "Heimat" ist zu wenig.

Die SPD sieht traditionell die Verzerrungen des Kapitalismus kritisch. Aus dem Blickwinkel von Ernährung und Landwirtschaft will die Veranstaltung des SPD-Ortsvereins Dinkelscherben zeigen, dass Verbraucher und Erzeuger gemeinsame Interessen haben. Die Informationen aus den Besuchen und der Diskussionsveranstaltung werden die Mitglieder des Ortsvereins in den politischen Prozess der Partei einbringen.

 

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