[Darstellung Größer 1 wählen.] [zum Inhalt (Taste Alt+8).] [zur Auswahl (Taste Alt+7).] (Taste Alt+6).

.

Exkursion des SPD-Ortsvereins Dinkelscherben in den Schmeller Forst :

Umwelt

Exkursion des SPD-Ortsvereins Dinkelscherben in den Schmeller Forst

Der Schmeller Forst ist als Mischwald ein waldbauliches Juwel, zumal im Fichten-dominierten Schwaben; das war die Meinung eines Teilnehmers an der Exkursion in den Schmeller Forst, zu dem der SPD-Ortsverein Dinkelscherben eingeladen hatte, inzwischen der dritten Begehung dieser Art.

Der Schmeller Forst  ist ein ausmärkisches Waldgebiet zwischen den Gemarkungen Dinkelscherben, Ziemetshausen und Münsterhausen. Die Grenzsteine mit dem Buchstaben "K W", "Königlicher Wald", weisen darauf hin, was dem heutigen Staatswaldrevier vorrausging.

Dem Reichenbach aufwärts folgend führte der Weg westwärts hinauf auf die Hochfläche zwischen Zusam und Mindel und dann auf dem nördlichen Kamm zurück. Der Schmeller Forst ist Teil der oberschwäbischen Riedellandschaft zwischen Iller und Lech. Die aus dem späten Tertiär stammende Fläche hat eine Auflage früheiszeitlicher Ablagerungen (Günz-Glazial), sie wurde in den Eiszeiten durch die Süd-Nord verlaufenden Flusstäler gegliedert, wurde aber durch die Nebentäler wie den Reichenbach nicht vollständig aufgelöst, so dass die Höhen eine ebene Fläche bilden. Die ausgedehnten Wälder im Bereich des Schmeller Forstes wurden durch die mittelalterlichen Rodungen nicht erreicht und es haben sich artenreiche Mischwälder erhalten.

Zwei Forstbeamte im Ruhestand, Dr. Mergner und Herr Rittler, richteten den Blick der Teilnehmer auf die zahlreichen Baumarten und die unterschiedlichen Formen der Waldbewirtschaftung in den einzelnen Abteilungen von der Naturverjüngung vom Sämling an über Neupflanzungen bis zu mehr als 80 Jahre alten Beständen mit mächtigen Buchen, Tannen und Douglasien, alle überragt von bis zu 40 m hohen Lärchen. Beim Ausstieg aus dem Tal des Reichenbachs auf die Hochfläche endet der Hochwald und wird duch einen Niederwald zwischen Stümpfen großer Bäume abgelöst. Die ist nicht die Folge eines Kahlschlags, wie erklärt wurde, sondern die Folge eines flächigen Windbruchs durch den Sturm "Lothar" vor 15 Jahren, was auch an den oft schrägstehenden Baumstümpfen deutlich wird. Der tonige Untergrund, dazu in exponierter Lage, war kein geeigneter Standort für Fichten; der nachwachsende Jungwald besteht jetzt überwiegend aus Laubholz.

Beim Rundgang erklärt wurden die Markierungen an den Bäumen, Zeichen für die Durchforstung. Drei weiße Querstreifen für die Bezirksgrenze, ein Schrägstreifen mit "R" für die Rückegasse, auf denen sich die Maschinen bewegen oder gelbe Ringe um Bäume, die aus forstlichen Gründen besonders gefördert werden. Totholz bleibt im Staatswald liegen, womit sich der Kreislauf der Stoffe und des Lebens - Aufbau, Abbau und wieder Aufbau - schließt. Eine besondere Rolle spielt dabei das stehende Totholz und absterbende Bäume, die durch eine Wellenlinie mit Spechtsymbol gekennzeichnet sind und so geschont werden. Ein schönes Beispiel war der Stammrest einer Buche, besetzt mit Fruchtkörpern des Zunderschwamms, in denen, wie Herr Mergner erklärte, ein darauf spezialisierter Käfer lebt, der dann vielleicht vom Specht erbeutet wird.

Bei Fichten und Buchen ist die Naturverjüngung unübersehbar, nicht so bei den Tannen, bei denen schon die aufgehenden Sämlinge vom Wild verbissen werden. Sehr deutlich war das zu sehen beim Vergleich der Flächen außerhalb und innerhalb eine kleinen Zäunung. So müssen trotz reicher natürlicher Aussat die Tannen durch Pflanzung vermehrt und die Pflänzlinge einzeln durch Hülsen vor dem Verbiss geschützt werden. "Wald vor Wild" heißt, dass wegen des Fehlens der Beutegreifer die Schalenwildbestände effektiv durch Abschuss kontrolliert werden müssen. Davon zeugen die zahlreichen Hochsitze, alle mit Nummern versehen, sind dann bei der Drückjagd mit Jägern besetzt sind. Dennoch ist der Verbiss der jungen Tannen weiterhin deutlich.

Die Erläuterungen der beiden Forstleute machten das beeindruckende Ergebnis jahrzehntelanger planmäßiger Forstwirtschaft durch den Staatsforst deutlich: Ein Wald der nicht nur "schön" ist, sondern dessen hoher ökologischer Wert als Standort für eine reiche Tier- und Pflanzenwelt auch dem Laien deutlich wurde. Der Vogelkundler Thomas Wurschy identifizierte und demonstrierte beim Rundgang mehr als 20 Vogelarten und Erik Mauch gab Hinweise zur Krautflora und zur Landschaft.

Der Weg führte schließlich an den Bohrungen zur Trinkwassergewinnung für die Wasserversorgung von Dinkelscherben vorbei. Ein solcher Standort in einem großen Waldgebiet und über Lockergestein als Grundwasserträger ist besonders günstig, da hier die Ausweisung der Schutzzone nicht mit Landwirtschaft oder anderen Nutzungen kollidiert.

Die durch das junge Grün scheinende Frühjahrssonne erhöhte noch die Freude der Teilnehmer über das Gesehene und Gehörte und man wünschte sich, dass solche Erkundungen der Heimatnatur fortgesetzt werden.

 

- Zum Seitenanfang.