Wahlbeteiligung sinkt – Bürgerbeteiligung steigt

Veröffentlicht am 03.11.2011 in Ortsverein

Gemeinderat Andreas Kalb (2. von rechts) erzählte interessante Details aus der Entwicklung der Parteien.

Die guten alten Zeiten sind meistens nicht so gut gewesen, wie man sie in der Rückschau in Erinnerung hat.

Doch was die Parteienlandschaft in Deutschland betrifft, könnte man als Sozialdemokrat doch neidisch werden auf die ersten Wahlen (Landtagswahlen) nach dem Krieg: 72,7 Prozent der Stimmen entfielen zusammen auf SPD und CDU/CSU, die SPD alleine hatte 35 Prozent.
Staunend hörten die Dinkelscherbener ihrem Gemeinderat Andreas Kalb zu, als er auf der SPD-Monatsversammlung das „Parteiensystem im Wandel“ darstellte. Und zum Staunen gab es so manchen Anlass: im Jahr ´72 beispielsweise lag bei der Bundestagswahl die Beteiligung bei 91,1 Prozent. Zwischen 1976 und 1990 ging die Vorrangposition der großen Parteien zu Ende. Franz Josef Strauß polarisierte die Menschen, der Nato-Doppelbeschluss führte zu großen Spannungen in der SPD, die Grünen betraten die politische Bühne und sorgten für Aufruhr.
Zwischen 1990 und 2000 stellte man einen Trend zur Mitte hin fest, bei allen Parteien. 1998 war die SPD auf ihrem Höhepunkt, sie konnte sich damals aussuchen, wen sie als Koalitionspartner wollte. Ein schönes Gefühl. Die Medien wurden in dieser Zeit immer wichtiger für den Wahlkampf und die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit.
Doch kurz nach der Jahrtausendwende kam es zu Stimmverlusten bei den großen Parteien, die kleinen dagegen verbuchten Erfolge. Im Jahr 2009 fuhr die SPD ihr verheerendes Wahlergebnis von nur 23 Prozent ein und erstmals fielen damals beide Volksparteien unter 40 Prozent.
Und heute? „Heute haben wir eine niedrige Wahlbeteiligung, aber eine hohe Bürgerbeteiligung“, stellte Andreas Kalb fest. Es herrsche eine Unsicherheit im Parteiensystem, die Protestbewegung befinde sich heute auf einem zweiten Höhepunkt nach den ´68ern.
Harald Mauch gab in der anschließenden Diskussion zu bedenken, dass irgendwann die stärkste Partei „Nichtwähler“ heißen werde, „bei den Landtagswahlen ist das heute schon so“, deshalb müsse sich jede Partei die Frage stellen, wie sie die Nichtwähler erreichen könne. Und die Jugendlichen, die heute die Piratenpartei wählen – oftmals nur aus Protest und nicht aus reiner Überzeugung.

 

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